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Yorktown 1781
Land of the noble free
Groß angelegtes programmatisches Tongemälde, das die letzte entscheidende Schlacht im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg schildert. Neben der üblichen Blasorchesterbesetzung sind zusätzlich Battle Fifes (Spielmannszug Pfeifen), Violine und ein Solo-Sopran besetzt.
Geschrieben wurde das Werk für das Frühjahrskonzert des sinfonischen Blasorchesters "Fidelia Wormersdorf" in Rheinbach/Rheinland im Jahre 2006. Die Aufführung war eine Zusammenarbeit mit dem Spielmannszug "Deutschmeister" aus Lannesdorf/Bad Godesberg.
| Grade: 4+ | Spieldauer: 13:35 min | Erhältlich bei: | |
Werksbeschreibung
Zuerst einmal betrachten wir den historischen Hintergrund.
Nachdem in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung aufgesetzt wurde, begann die systematische Aushebung von Truppen, der Continental Army. Während sich im Norden bereits heftige Kämpfe abspielten, wurde im Süden die Mobilmachung nur schleppend vorangetrieben. Das änderte sich schlagartig, als englische Truppen immer wieder Truppenverbände der Continentals im Süden aufrieben, die zur Unterstützung George Washingtons in Richtung Norden entsandt wurden. Nun war der Krieg auch in den südlichen Colonien eingekehrt. Da es sich nach englischer Ansicht bei der Continental Army um „Rebellen“ handelte, wurde auch dementsprechend mit Verwundeten und Gefangenen verfahren. Dies jedoch füllte die durch Entsendung von Truppen und diverser kleinerer Schlachten stark geschwächten Reihen der Continentals unter General Gates. Als Truppennachschub aus England in Charlestown eintraf, wurde mit aller militärischen Härte gegen die wesentlich schlechter ausgebildeten Truppen der Amerikaner vorgegangen. Eine Schlacht nach der anderen wurde von den Engländern gewonnen. Ziel war es, den Süden zu befrieden, um dann als Unterstützung gegen Washington im Norden zu kämpfen.
Aber die Amerikaner änderten die Taktik und führten nunmehr mit Milizen einen Guerilla-Krieg, der die Engländer empfindlich traf. Den Milizen gelang es, die Truppen zu binden und George Washington den Rücken freizuhalten. Der wiederrum konnte die ohne Nachschub angeschlagenen englischen Truppen gen Süden treiben, die sich mit den Südtruppen in Yorktown verschanzten und als Brückenkopf auf den Entsatz aus England warteten.
Yorktown erwies sich für die Continentals als uneinnehmbar. Welle um Welle rannte gegen die Befestigung ohne sichtlichen Erfolg, - und das wochenlang.
Dann allerdings kam die Wende. Die seit langem versprochene Unterstützung der Franzosen traf ein, - eine Flotte und 10 000 Marineinfanteristen, darunter das deutsche Regiment Royal Deux-Ponts unter Graf Wilhelm von Zweibrücken. Der Beschuss von See zwang die Engländer letztlich zur Aufgabe.
Nicht ohne Grund behaupten böse Zungen, der amerikanische Bürgerkrieg wurde im Norden erklärt, im Süden gefochten und von den Franzosen gewonnen.
Auf seiten der Engländer kämpften im übrigen Söldnerheere aus Braunschweig und Hessen unter Oberst Rall, Ansbach und Beyreuth. Yorktown ist heute Partnerstadt von Zweibrücken (Rheinland-Pfalz).
Szenenbeschreibung:
Stellen wir uns vor, wir vertonen einen Film. Wir sitzen in der Record „B“ des Cap a Pie-Studios in Los Angeles, - vor uns eine 8 Meter breite Leinwand. Der Film, gänzlich ohne Ton, läuft an.
Die Kamera führt uns über eine vom Nebel eingehüllte Landschaft, - Morgengrauen. Die ersten Töne erklingen, unisono, piano, - und doch bereits energiegeladen, drängend. Um diese Stimmung zu unterstreichen, wird der Gong mit weichen Schlägern leise wirbelnd zum Rauschen gebracht. Gegen diese Spannung ertönt eine Glocke im ruhigen 3er Rhythmus und läßt die Szene etwas unwirklich erscheinen. Die Flöten in tiefer Lage stellen als erste die Frage: Was ist das? Wo bin ich hier? Was kommt auf mich zu? Durch die d-f 32tel in der Flöte 1 gegen den d-e Triller der 2. Flöte wird der Spannungsbogen in Bewegung versetzt. Wenn auch kaum hörbar, erhält die Szene ein gewisses Maß an Unruhe, - die Unruhe, die auch wir verspüren in dieser Landschaft mit der Ungewissheit, was kommt.
Langsam gibt der Nebel die Landschaft frei (A). Während die Melodie auf einem g ausklingt, setzen die Tenorsaxophone auf 3 mit a-d ein. Dadurch wird eine Dur-Terz erzeugt, die allerdings nicht erklingt. Die Landschaft bleibt undeutlich. (Hier kann die Melodie spaßeshalber im 2. Takt auf 1 ein klingendes f# spielen.) Die Spannung nimmt zu, indem die a-c-d Bewegung von Bassklarinette, Bariton, usw. in 8teln und 8tel-Triolen wiederholt wird. Die Flöten stellen wieder ihre Frage. Die Trompeten mit Dämpfer wiederholen sie, diesmal konkreter. Immer stärker wird das Unbehagen. Wir blicken auf eine Landschaft ohne klare Konturen; warten, daß der Nebel sie freigibt.
Es war wohl ein Windhauch, der mit einem Mal den Blick auf ein Lager freigibt (B). Wir sehen Lagerfeuer, Zelte und Soldaten in Uniformen, die klar erkennen lassen, was die Männer bereits hinter sich haben. Während das „Yorktown“-Thema zum ersten mal in seiner Reinform erklingt, erzeugt die Mischung aus 4tel-Triolen, 8teln, 4teln und Trillern in der Begleitung einen Puls, wie die Summe aller Herzschläge. Die Soldaten sind in Vorbereitungen vertieft, - es werden Kugeln gegossen, Gewehre gereinigt, Pulver gefasst, die Uniformen gerichtet. Die Passage steigert sich wie die Gewissheit, daß das, was kommt, unausweichlich ist.
Doch irgendwann sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und der Soldat ist mit seinen Gedanken alleine, - warten (C). Die Oboe, gestützt von einem verminderten Akkord, leitet diese Gedankenwelt ein. Während die Begleitung in letargische 8tel verfällt, drängen die Flöten und die 1. Klarinette mit einem 8tel-Triller auf 1. Lieber gleich losschlagen als dieses Warten.
Mit einem Mal gerät alles in Bewegung. Keiner weiß, woher und von wem der Befehl kam, aber alle rappeln sich auf und beginnen, sich zu sammeln (D). Bassklarinette, Fagott und Bariton-Saxophon leiten es ein. Der 7/8tel-Takt symbolisiert dieses Streben ohne eigentlich eine Wahl zu haben. Und doch kann sich die markante Begleitfigur nicht entscheiden, ob es jetzt g-moll oder c-moll sein soll. Dieser Wiederspruch, das Streben einerseits, die Unentschlossenheit andererseits spiegelt die Gedankenwelt der Soldaten wider, während sie sich sammeln.
Da ertönt der Ruf für das Gruppieren. Der Aufmarsch beginnt (E). Der Spielmannszug spielt eine damals weitverbreitete Battlehymn, der seit dem amerikanischen Bürgerkrieg als „Yankee Doodle“ bekannt ist. In diesen Ruf drängt sich wieder der Marschrhythmus (F). Immer mehr Soldaten in Quadrat-Formationen tauchen auf (G). Der Marsch steigert sich ins unermessliche, die Trompeten hämmern uns diesen Rhythmus regelrecht ein (H). Es gibt keinen Weg zurück. Es bleibt nur „marschieren“.
Bis schließlich alle Truppen auf dem Schlachtfeld formiert sind. Unser Blick schweift über das Feld (I).
Doch die Engländer lassen nicht lange auf sich warten. Erst aus der Ferne, aber schnell näher kommend, schiebt sich ein englisches Regiment nach dem anderen über die Anhöhe (J), bis sich beide Armeen gegenüber stehen.
Es folgt ein kurzer Moment der Ruhe, - der Ruhe vor dem Sturm (K). Aber auch hier knistert es. Im Abschluß-Akkord steht ein e-moll gegen ein f im Bass und wird erst im letzten Moment aufgelöst (breit ausspielen).
Der Wirbel auf dem Gong füllt die die Spannungsphase bis zum Zerreissen (L). Die Linien legen an, spannen den Hahn vom Steinschloß. Ruhe.
Einen Takt vor (M) bricht die Hölle los. Zuerst eine Salve als Audioeinspielung, dann das ganze Sortiment an geräuscherzeugenden, historisch belegbaren Kriegsutensilien, während sich das Orchester rhythmisch, politisch korrekt am „Yankee-Doodle“ gütlich tut. Die Oberstimmen sind bei (N) unisono gehalten, um sich gegenseitig zu stützen.
Als eine Bresche im Zentrum geschlagen wird, kommt die Reiterei auf den Plan (O,P), treibend durch Trompeten, der Gegenpol in den Hörnern, punktiert gegen gerade. Immer weiter steigert sich das Getümmel bis in (T) nur noch der Hall des Schlachtlärms über das Feld schwebt, getragen von Wirbeln auf verschiedenen Becken ( mit weichen Schlägeln ).
Langsam legt sich der Kriegsnebel und es folgt das „Yorktown“-Thema (Takt 4 in T), diesmal jedoch in Dur als Choral. Interessant ist hier der Rollentausch von Dur und Moll. Es sieht nicht gut aus für die Continental Army. Alle Hoffnungen stützen sich jetzt auf die französische Marine. Umso größer ist die Erleichterung, als denn endlich Segel am Horizont auftauchen. Aber sind es französische Schiffe oder der englische Entsatz? Verhalten fragt die Battle-Fife. Die Frage wird wiederholt von der Flöte. Die Antwort hält zögerlich das Alt-Saxophon parat. Es steigt die Spannung (2 Takte vor U). Dann ausdrucksstark die Oboe. Ja, französische Segel.
Schnell formieren sich die Truppen neu (U). In breiten Linien marschieren die Regulars der Continentals vor. Erste Salven erfolgen von See aus. Audio-Einspielungen steigern sich ins Unermeßliche (V,W), die Schlacht tobt (X,Y). Alle Themen treffen aufeinander.
Dann kehrt mit einem mal Ruhe ein. Als der Pulverdampf sich legt, sehen wir zum ersten mal das ganze Ausmaß der Schlacht. Aber Freude über den Sieg will sich nicht einstellen, - der Preis war auf beiden Seiten einfach zu hoch. Sehr verhalten erklingt das Thema in den Flöten, unterstützt von Oboe und Alt-Saxophon (Z). In der Begleitung scheint die Zeit stillzustehen. Dann löst sich ein Sopran heraus und schwebt mit „My Country ‚tis of Thee“, der inoffiziell ersten U.S. Nationalhymne (AA). In der 2. Strophe stimmt das Orchester mit ein und summt unterschwellig die Melodie mit (AB). Dann lösen sich alle schmerzlichen Gedanken (AC).
Großflächig erstrahlt das „Yorktown-Thema“ in Dur (AD), bis es schließlich im stetigen as-moll/es-dur Wechsel gipfelt. Die Trompeten und Klarinetten steigen immer weiter in die Höhe, bis sie abrubt in der unteren Oktave verschwinden und ein satter Akkord mit führendem Horn in Quintlage stehen bleibt. Ein kurzer Moment des Innehaltens (AE). Die Fifes spielen noch einmal die englische Battle-Hymn, denn bald schon kommen sie wieder, werden aber schnell wieder von einem gegenläufigen Crescendo verdeckt.
